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Wenn Sie mit einer Maßnahme der Strafverfolgungsbehörden konfrontiert werden, ist überlegtes Handeln angeraten,
um den damit ohnehin schon entstandenen Schaden für die eigene Person gering zu halten. Erste Hilfe

Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung durch das Schöffengericht Frankfurt am Main

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt klagt einen verbeamteten Lehrer wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung / Vergewaltigung an; am vierten Verhandlungstag spricht das Schöffengericht den von Rechtsanwalt Barduhn verteidigten Angeklagten frei

 

„Der Angeklagte wird freigesprochen.
Die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Angeklagten werden der Staatskasse auferlegt.
Der Angeklagte ist für die erlittenen Strafverfolgungsmaßnahmen - Durchsuchung der Wohnung am 13.09.2011 - aus der Staatskasse zu entschädigen.“

So lautet der Tenor des am 7. August 2012 ergangen und inzwischen rechtskräftige freisprechenden Urteils des Schöffengerichts Frankfurt am Main unter Vorsitz des Richters Meilinger.

Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte in der Nähe der Messe in F. die als Prostituierte tätige Zeugin K. angesprochen und mit ihr die Durchführung des Vaginalverkehrs in seiner Wohnung gegen ein Entgelt von 200,- Euro vereinbart haben.

Dort soll der nunmehr aggressive Angeklagte die Zeugin mit festem Griff am Arm gepackt und diesen verdreht haben, um sie vom Telefonieren abzuhalten. Der Angeklagte soll laut Anklageschrift die durch die Gewaltanwendung eingeschüchterte Zeugin entkleidet haben und dann die Durchführung von ungeschütztem Oralverkehr verlangt haben, indem  er ihr in die Haare griff und ihren Kopf in Richtung seines Gliedes zog.

In der Hauptverhandlung wurden unter anderem zwei Polizeibeamte vernommen, an welche sich die Zeugin K. direkt nach dem angeblichen Vorfall wandte. Durch intensives Befragen der Verteidigung stellte sich heraus, dass die Zeugin K. diesen Beamten lediglich mitteilte, sie sei verletzt worden, hingegen nichts von einer sexuellen Nötigung berichtet. In den Urteilsgründen wertet das Gericht diese Aggravation des Tatvorwurfs von einer einfachen Körperverletzung hin zu einer sexuellen Nötigung als ersten gegen die Glaubhaftigkeit der Angaben der  Zeugin sprechenden Umstand, da die Zeugin auf wiederum intensives Befragen in der Hauptverhandlung zum Besten gab, sie sei zwei Tage nach dem Ansprechen der beiden Polizeibeamten, als sie nämlich erstmals den Vorwurf der sexuellen Nötigung in den Raum stellte, nicht mehr in jenem Angst- und Schameszustand gewesen sei, in dem sie sich noch in der Nacht auch gegenüber den Polizeibeamten befunden habe.

Dem Verteidiger fällt in der Hauptverhandlung ein die Zeugin K. stets begleitender Herr auf, der sodann durch Anstrengungen der Verteidigung vom Gericht in den Zeugenstand gerufen wird. Die Fragen des Verteidigers beantwortet dieser Zeuge A. widersprüchlich, indem er  einmal angibt, die Zeugin K. habe ihm seinerzeit lediglich mitgeteilt, der Angeklagte habe sie geschlagen und wolle kein Entgelt bezahlen, ein anderes mal gibt er an, vor einem Jahr von der Vergewaltigung erfahren zu haben.     

Die Angaben der Zeugin K. zum Kerngeschehen, dessen Abfrage aus aussagepsychologischen Gründen besonderes Augenmerk der Verteidigung verdient, weichen bezüglich zentraler eigener Handlungen der Zeugin K. und Körperpositionen der Beteiligten so erheblich von ihren Angaben in der kriminalpolizeilichen Vernehmung ab, dass auch dadurch gewichtige, nicht auszuräumende Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben im Gesamten aufkommen.  

Der Angeklagte wird sodann aus tatsächlichen Gründen freigesprochen.

Amtsgericht Frankfurt am Main - 911 A Ls 4871 Js 234221/11